5. Erfahrungen zum Projekt

Ausgesiedelte Kinder sollten grundsätzlich die Möglichkeit erhalten mit deutschen Kindern Gemeinsames zu tun und zu erleben. Nur so sind sie motiviert die deutsche Sprache zu erlernen und auch anzuwenden.

Die Kinder gewannen während des Projektes zunehmend an Selbständigkeit und Selbstsicherheit. Sie zeigten sich ihrer Umgebung gegenüber viel aufgeschlossener, fröhlicher und ansprechbarer. Ohne die behutsame Hinführung zur Integration in den Schulalltag, wäre das am Ende des Projektes erreichte Miteinander nicht möglich gewesen.

Die Eltern würdigten und lobten unser Vorhaben in ungewohnter Weise. Sie interessierten sich sehr für das Unterrichtsgeschehen, nahmen Anteil an jedem Vorhaben und brachten sich aktiv mit ein. Viele Eltern hätten gern am Ausflug teilgenommen. Der Schwimmbadbesuch hielt sie jedoch davon ab.

Die Kinder zeigten durch ihr Verhalten, daß sie mit 'Schule' nun auch etwas Positives verbinden. Erstmalig berichteten sie ihrer Familie zu Hause von dem in der Schule Erlebten. Sie interessierten sich für die weiteren Unterrichtsvorhaben und äußerten eigene Wünsche und Vorschläge. Es entwickelte sich nicht nur eine Gemeinschaft in der eigenen Klasse, sondern auch ein großes Zugehörigkeitsgefühl zu den Schülern der Partnerklasse. Sie fühlten sich nicht mehr allein, da sie zum Teil Partner gefunden hatte, denen sie sich mitteilen konnten. Dieses geschah ohne unsere Einflußnahme. Wir haben auch den Eindruck gewonnen, daß diese Erfahrungen in ihrem zukünftigen Leben prägend sein können. Die Übersiedlung nach Deutschland, der damit verbundene Verlust der Heimat und Freunde, wurde unserer Meinung nach durch das Sichentwickeln neuer Freundschaften nicht mehr als 'Strafe' empfunden.

Unser Projekt kann nur exemplarisch sein. Viele andere Wege und Konzeptionen sind möglich. Es war nicht in einem festen Rahmen geplant, sondern entwickelte sich erst durch das positive Echo der Kinder, Eltern und anderer beteiligter Personen. Im Zeitablauf wäre ein Start zum Schuljahresbeginn wünschenswert.

Der Zeit- und Arbeitsaufwand ging zwar weit über das übliche Maß an Unterrichtsvorbereitung und Durchführung desselben hinaus. Der Erfolg am Ende des Projektes rechtfertigte im vollem Umfang diesen Aufwand.


Nächstes Kapitel:Bericht in der Schülerzeitung
Inhaltsverzeichnis