3. Situationsbezogene Vorinformationen

Die Förderklasse 3/4 setzte sich überwiegend aus Kindern aus den GUS-Staaten zusammen (Kasachstan, Kirgistan, Weißrußland und Usbekistan, 4 Mädchen und 8 Jungen). Zwei weitere Schüler kamen aus Polen und Kroatien. Die Kinder waren im Alter von 9 bis 12 Jahren. Durch die Zusammensetzung der Klasse bestand keine Notwendigkeit, in deutscher Sprache untereinander zu kommunizieren. Auch in ihrer häuslichen Umgebung und Freizeit hatten die Kinder keinerlei Kontakte zu deutschen Kindern. Mehrere russische Familien waren in einer Notwohnung zusammen untergebracht. Erschwerend hinzu kam, daß die Schüler aus verschiedemem weiträumigen Wohnbezirken mit Schulbussen befördert wurden.

Im täglichen Unterrichtsgeschehen zeigten sich die Kinder desinteressiert bis apathisch, eingeschüchtert, wenig fröhlich und spontan. Außerhalb des Klassenverbandes waren sie in der Schule weitgehend isoliert und spielten in den Pausen nur untereinander.

Um die Kinder aus dieser Situation herauszuholen, entstand das Projekt, die Schüler der Förderklasse gemäß den o.a. Prämissen zum Spracherwerb mit einer deutschsprachigen, altersgemäßen Partnerklasse zusammenzubringen. Dieses übernahm eine vierte Klasse einer Grundschule aus Schwerte/Westhofen.

Die Klasse 4b hatte 23 Schüler, 10 Mädchen, 13 Jungen, im Alter von 9 bis 11 Jahren. An allen Unterrichtseinheiten in Lünen nahmen immer deutsche Kinder als Gäste teil. Der größte Teil der Erklärungen wurde von den deutschen Kindern geleistet. Für die Auswahl der Kinder war nicht die schulische Leistung maßgebend, sondern ihr Interesse an diesem Projekt, ihre Neugierde, fremde Kinder kennenzulernen und ihre Bereitschaft, Integrationshilfe zu leisten. Von 23 Kindern waren spontan 15 Kinder dazu bereit. Den Kindern war bewußt, daß der notwendige Zeitaufwand groß war und in ihre unterrichsfreie Zeit fiel. Zu jeder Unterrichtseinheit kamen andere Kinder, Jungen und Mädchen. Die Gastkinder haben jeweils am nächsten Tag in ihrer Klasse einen ausführlichen mündlichen Bericht über die Geschehnisse in der Förderklasse gegeben, um die Mitschüler wegen weiterer anstehender Aktivitäten miteinzubeziehen.

Um nicht nur eine einseitige Beziehung aufzubauen, sind auch notwendige Gegenbesuche in der Schwerter Schule erfolgt. Solch ein annoncierter Besuch wurde von den Schülern der Förderklasse äußerst reserviert aufgenommen. Eine fremde Schule in einer fremden Stadt und fremde Kinder ängstigten sie. Nur durch die positive Resonanz der Mütter kam dieser erste Besuch zustande. Nach den begeisterten Berichten der Schüler über dieses Erlebnis, wollten beim nächsten angekündigten Besuch fast alle dabeisein. Damit war das Fundament für einen späteren gemeinsamen Ausflug beider Klassen am Ende des Schuljahres gelegt.

Über die durchgeführten Aktivitäten hinaus würden Freundschaften geschlossen werden, die auch nach Beendigung des Projektes weiter Bestand haben sollten.

Gruppenbild

Für den Erfolg des Projektes ist nicht die Entfernung der Schulen von entscheidener Bedeutung, sondern die positive Einstellung der beteiligten Lehrer, die den erhöhten Arbeitsaufwand trotz eines nicht unmittelbar sichtbaren Erfolges leisten.


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